Geschwisterbesuch in der Kreuzgemeinde

KreuzkircheIn der Staffel der Gastfreundschaft hatte das Los uns, der evangelischen Jona-Gemeinde, der Kreuzgemeinde zugewiesen, einer freikirchlichen Baptistengemeinde in der Hohenlohestraße nahe dem Hauptbahnhof. Am 20. Juni um 18 Uhr besuchten wir mit 12 Jona-Gemeindemitgliedern die Kreuzgemeinde. „Liebe Geschwister“ lautete zu Beginn die für uns ungewöhnliche Anrede.

KG3 Die Anrede drückte aber genau die herzlich-familiäre Stimmung aus, mit der wir empfangen wurden. Wir wurden zunächst über die Aktivitäten der Gemeinde und anschließend über ihre Geschichte informiert: Die ersten Baptisten gab es im 17. Jahrhundert in England, von wo sie sich in andere europäische Länder und vor allem im amerikanischen Kontinent ausbreiteten. Die Bibel ist die einzige Grundlage ihres Glaubens. Aus ihr leiten sie die Verpflichtung zur Erwachsenentaufe durch Untertauchen ab, mit der die Zugehörigkeit zu einer Baptistengemeinde begründet wird.

KG5In Bremen wurde die erste Baptistengemeinde im Jahr 1845 durch „11 gläubig getaufte Menschen“ (so die Festschrift der Kreuzgemeinde „1845 – 1995“) gegründet. Die jetzige Kreuzkirche wurde 1955 eingeweiht und 1982 umgebaut und erweitert. Etwa 800 Baptisten gibt es derzeit in Bremen, die fünf Gemeinden angehören. Die Kreuzgemeinde hat 300 Mitglieder. Da die Kreuzgemeinde keine Einnahmen aus Kirchensteuern hat, hängt ihre Existenz von der Spendenfreudigkeit ihrer Mitglieder ab. Als Richtsatz gelten 10 v. H. der persönlichen Einkünfte. Die Gemeinde sucht einen neuen Pastor, dessen Bezüge ebenfalls von den Mitgliedern aufgebracht werden müssen.

KG8Bei der Besichtigung der Kirche und der anderen Räume des Hauses bekamen wir eine Vorstellung von den vielfältigen Aktivitäten der Kreuzgemeinde. Im großen Gottesdienstraum steht kein Altar, sondern ein Tisch. An der Wand hinter dem Tisch ist ein den Raum beherrschendes großes Kreuz angebracht. Nicht nur die Kreuzgemeinde feiert hier an jedem Sonntag ihren Gottesdienst (zur Zeit ohne Pastor), sondern auch die Arabische christliche Kirche in arabischer Sprache und die International Baptist Church in englischer Sprache. Am Sonnabend treffen sich nacheinander ein Chinesischer Bibelkreis und ein Spanischer Kreis. An den Wochentagen treffen sich Bibel-, Gebets- und Seniorenkreise, zwei Frauengruppen und ein Bläserchor. Zu einem Eltern-Kind-Treff am Nachmittag wird eingeladen.

Von einer Küche wie in der Kreuzgemeinde kann Jona nur träumen. Sie wird nicht nur für Frühstücksgottesdienste und Treffen am Sonntagabend benötigt, bei denen „in geselliger Atmosphäre eine warme Mahlzeit zu einem erschwinglichen Preis“ angeboten wird. Vielmehr werden auch an anderen Tagen warme Mahlzeiten für Obdachlose und Bedürftige angeboten.

KG10Ein diakonisches Markenzeichen ist die Freimarktsammlung für „Brot für die Welt“, die die Kreuzgemeinde 2016 im 50. Jahr organisiert. In zweistündigen Schichten wechseln sich die auch aus anderen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen stammenden Sammlerinnen und Sammler an den Freimarktstagen ab. An einem Nachmittag in der Woche können Flüchtlinge einen Deutschunterricht besuchen und anschließend Kontakte zu Helfern aus verschiedenen Kirchengemeinden knüpfen. Der innergemeindliche Besuchsdienst hat für Senioren und Kranke einen hohen Stellenwert; das Abendmahl wird auch am Krankenbett gefeiert.

Zahlreiche weitere Informationen erhielten wir in den persönlichen Gesprächen an den einzelnen Tischen, nachdem wir uns ausgiebig mit Leckerbissen vom umfangreichen Buffet hatten versorgen können.

Abschließend kamen wir zu einem gemeinsamen Gebet zusammen. Unseren geschwisterlichen Dank verknüpften wir mit einer Einladung zum Festgottesdienst am 16. Oktober anlässlich des 50jährigen Bestehens der Jona-Gemeinde. Zwei Buchgeschenke werden die Erinnerung an unseren Besuch in der Kreuzgemeinde wachhalten: das Neue Testament in englischer und arabischer Sprache und die 1998 von der Kreuzgemeinde herausgegebene Festschrift „1845 – 1995: 150 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden – Baptisten – in Bremen und umzu“.

Text: Werner Kalb

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